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Der vierte Kreuzzug

von 1202 bis 1204


Der vierte Kreuzzug fand von 1202 bis 1204 zwischen französischen Rittern und der Republik Venedig statt. Das ursprüngliche Ziel dieses Kreuzzuges war die Eroberung von Ägypten, aber es wurde stattdessen das christliche Konstantinopel eingenommen und geplündert. Mit diesem Ereignis wurde die bereits bestehende Spaltung des griechischen Ostens vom lateinischen Westen sehr stark verschärft.

Bereits im August 1198 wurde durch Papst Innozenz III. ohne einen besonderen Grund zu einem weiteren Kreuzzug aufgerufen. Sein Aufruf sollte vor allem kleinere Machthaber aus Nordfrankreich ansprechen. Zu diesen gehörten unter anderen Ludwig von Blois oder Theobald von der Champagne. Da man sich schon vorher darüber einig war, das Heilige Land über den Seeweg zu erreichen, wurden in die großen italienischen Hafenstädte Gesandte geschickt.

 

Venedig erklärte sich im Anschluss dazu bereit, die Organisation des Transportes von 33.000 Mann Besatzung zu übernehmen sowie eine eigene Flotte mit 50 Galeeren auszustatten. Die Flotte sollte dann am 29. Juni 1202 in See stechen und Kurs auf das Ziel Jerusalem nehmen. Ein geheimes Zusatzprotokoll beinhaltete außerdem die Einnahme von Ägypten, um das Rückzugsgebiet der Araber vor dem ursprünglichen Ziel zu erobern. Der Kreuzzug begann, nachdem sich Bonifatius von Montferrat anschloss und zum Anführer ernannt wurde.

Das gesamte Unternehmen stellte sich für Venedig als sehr riskantes Wagnis dar. So stellt die Republik mehr als 200 Schiffe (neugebaute sowie von der Handelsschifffahrt abgezogene) zur Verfügung. Die Stadt wäre bei einem Scheitern des Kreuzzuges Bankrott gewesen. Außerdem unterhielt Venedig zur damaligen Zeit sehr gute Handelsbeziehungen zu den Arabern, weshalb dieser Kreuzzug ebenfalls sehr umstritten war.

 

Die Venezianer erahnten letztendlich ein Scheitern, als nur ein Drittel der erwarteten Kreuzfahrer zum Abfahrtstermin erschienen waren. Da die Kreuzfahrer die vertraglich zugesicherte Entlohnung nicht zahlen konnten, wurde die dalmatinische Stadt Zara eingenommen und Venedig akzeptierte eine Stundung des Betrages. Ende November 1202 wurde die Stadt nach einer zwei Wochen andauernden Belagerung eingenommen und man überwinterte dann aufgrund der Jahreszeit in Zara.

Ende Dezember 1202 zogen Gesandte des deutschen Königs Philipp von Schwaben in Zara ein und brachten den byzantinischen Prinzen Alexios Angelos mit. Sie machten den Kreuzfahrern den Vorschlag, gegen Byzanz zu ziehen und Alexios versprach den Rittern 200.000 Silbermark, eine Versorgung des Kreuzfahrerheeres sowie eine Armee von 10.000 Mann zur Unterstützung bei der Rückeroberung von Jerusalem. Obwohl die Meinungen dazu geteilt waren und viele Kreuzfahrer das Heer verließen, stimmten die wichtigsten Anführer – unter ihnen Balduin von Flandern und Hennegau oder Hugo von St. Pol – dem Angebot zu.

 

Papst Innozenz III. erfuhr von dem Vorhaben und erteilte den Kreuzfahrern in einem Brief ausdrücklich das Verbot, einen Krieg gegen Christen zu führen. Die Anführer des Kreuzzuges fingen diesen Brief jedoch ab und im April 1203 zog man aus Zara ab. Der erste Weg führte nach Dyrrhachion. Hier wurde Alexios als rechtmäßiger Kaiser empfangen. Als die Bevölkerung von Korfu von den Absichten der Kreuzfahrer erfuhr, machte sich allerdings erster Widerstand breit.

 

Man verließ am 24. Mai 1203 die Insel und erreichte die Dardanelen und nahm dort die Abydos ein. Am 24. Juni 1203 erreichte man dann Konstantinopel, wo lange Verhandlungen geführt wurden, aufgrund derer sehr schnell klar wurde, dass Alexios III. nicht einfach abdanken würde. Somit wurden die Ansprüche auf den Thron von Alexios IV. mit militärischen Mitteln erzwungen.

Sowohl an Land als auch zu Wasser blieben die kleineren Gefechte erfolglos. Mit einer Kette sperrten die angegriffenen und damit vorbereiteten Byzantiner die Einfahrt zum Goldenen Horn. Die Kreuzfahrer und Venezianer konnten die Sperre jedoch durchbrechen und belagerten nun die Region vor der Stadt. Der erste Angriff der Venezianer erfolgte am 17. Juni 1203 auf die Festungs-Schwachstelle von Konstantinopel: auf die leicht befestigte Seemauer zum Goldenen Horn.

 

Von ihren Schiffen aus gelang es den Angreifern, die Mauer zu stürmen und zu erobern. Auf Landseite hatten die Franzosen weniger Glück, mussten sich zurückziehen und wurden sogar von den Truppen von Alexios III. verfolgt. Die Venezianer hingegen erwarteten eine Schlacht und zogen sich vom eroberten Mauerabschnitt zurück. Allerdings zog sich der byzantinische Kaiser ebenfalls zurück und eine offene Schlacht blieb damit aus.

 

Alexios III. floh trotz einer erfolgreichen Aussicht nach Thrakien und brachte den Widerstand der belagerten damit zum Erliegen. Isaak II. wurde nun von den Byzantinern nach seiner Entmachtung doch wieder auf den Thron gesetzt. Für weitere Kämpfe gab es nun keine Gründe mehr, denn Isaak II. erkannte die von Alexios gemachten Versprechen gegenüber den Kreuzfahreren an. Bis diese Versprechen erfüllt wurden, blieben sowohl die Franzosen als auch die Venezianer vor der Stadt und planten weiter am Feldzug gegen das Hauptziel Ägypten.

Während die Kreuzfahrer inzwischen auf die Einhaltung der ihnen gemachten Versprechen warteten, musste Isaak II. sich eingestehen, dass er weder die Schulden begleichen, noch das versprochene Heer aufstellen konnte. Die Kreuzfahrer blieben deshalb in Konstantinopel und die Unruhen nahmen immer mehr zu. Die Byzantiner griffen immer öfter Kaufleute aus Pisa und Genua an. Diese flüchteten deshalb aus ihren Stadtvierteln ins Lager der Kreuzfahrer.

 

Und obwohl die venezianische Flotte mit Hilfe von Brandern angegriffen wurde, bleiben diese Angriffe erfolglos, während die Franzosen in verbrecherischer Weise durch die Stadt zogen. Das Herrscherduo Alexios IV. und Isaak II. wurde immer unbeliebter, weshalb sich im Jahr 1204 Alexios V. Murtzouphlos, Anführer der byzantinischen Partei, selbst zum neuen Kaiser erklärte. Alexios IV. wurde getötet und Isaak II. verstarb aufgrund ungeklärter Umstände. Alexios V. verweigerte die Zahlungen an die Kreuzfahrer und verwies diese des Landes, welches er für sich beanspruchte.

Da die Kreuzfahrer nicht bereit waren, in ihre Heimat ohne Beute zurückzukehren, planten sie einen Sturmangriff auf Konstantinopel. Ihr Motiv, die christliche Stadt anzugreifen, lag nun darin, bei den wortbrüchigen Griechen eine lateinische Herrschaft einzuführen. Ein erneutes, briefliches Verbot des Papstes wurde von den venezianischen Anführern abgefangen. Über die genaue Aufteilung von Beute und byzantinischem Gebiet wurde für den Fall eines Sieges von den teilnehmenden Parteien im März 1204 ein Vertrag – der sogenannte Partitio Terrarum Imperii Romaniae – unterschrieben.

 

Laut diesem Vertrag sollten Venezianer und Kreuzfahrer jeweils drei Achtel und der noch zu ernennende Herrscher von Byzanz ein Viertel der Beute erhalten, bis die Schulden beglichen sind. Der Rest sollte eins zu eins zwischen den Parteien aufgeteilt werden. Eine weitere Vereinbarung bestand darin, dass der neue lateinische Kaiser von jeweils sechs venezianischen und französischen Wahlmännern ernannt wird. Die Partei, die nicht den Kaiser stellt, durfte im Gegenzug einen Patriarchen ernennen.

Am 9. April 1204 erfolgte der erste ernst zu nehmende Angriff auf Konstantinopel, wobei die verstärkten Seemauern am Goldenen Horn den Angriffen diesmal trotzten. Der nächste Angriff fand am 12. April 1204 statt, bei dem einige Türme der Seemauer gestürmt werden konnten. Dadurch konnten die Angreifer in die Stadt gelangen und dort Brände legen. Den größten Teil der Stadt beherrschten aber weiterhin die Byzantiner. Der Kampf war also noch nicht entschieden und in der Nacht zum 13. April 1204 floh Alexios V. aus der Stadt.

 

Damit brach der bis dahin geordnete Widerstand zusammen. Alexios V. wurde gefasst und getötet und so erhielten die Kreuzfahrer über die Stadt wieder Kontrolle. Damit begann eine Plünderungswelle über drei Tage. Viele Menschen wurden misshandelt, vergewaltigt und sogar getötet. Bei den Plünderungen wurden wertvolle Mosaike zerstört, Jahrhunderte alte Kunstschätze geraubt, Reliquien aller Art gestohlen und dann über ganz Europa verstreut. Die Franzosen rafften jeglichen Goldschmuck zusammen und schmolzen ihn ein, die Venezianer hingegen wollten wertvolle Kunstgegenstände sicherstellen. Im Dogenpalast in Venedig find man noch heute viele dieser wertvollen Kunstschätze.

Nach Beendigung des Kreuzzuges wurden die einzelnen Gebiete vertragsgemäß aufgeteilt. Damit wurde ein großes Gebiet des bisherigen byzantinischen Reiches in lateinisches Kaiserreich umgewandelt, jedoch handelte es sich dabei nur noch um die leere Ruine der einst so mächtigen Metropole. Auch Thessaloniki, einige Herzogtümer auf der Peloponnes sowie der ägäischen Inselwelt unterstanden ebenfalls dem Kaiser in Konstantinopel. Als Kolonie gingen Euböa, Kreta und weitere Teile der Peloponnes (Koron, Monembasia, Modon) an Venedig.

 

Von den Nachfolgestaaten des byzantinischen Reiches wurden Gebiete wie Epiros, Trapezunt oder Nikaia übernommen. Da das lateinische Kaiserreich von Beginn an kaum militärische Stärke besaß, unterlag es bald Bulgarien unter der Führung von Kalojan. Nach dem vierten Kreuzzug erlangte das byzantinische Reich nie mehr den Glanz, den es vorher aufwies. Jede Widerstandskraft, die Byzanz mehr als 500 Jahre lange besaß, war verloren.

 

Auch aus diesem Grund war die Übernahme von Konstantinopel durch das osmanische Reich während des 15. Jahrhunderts nur noch eine Frage der Zeit. Das Verhältnis der orthodoxen Christen zu Westeuropa ist aufgrund der Verbrechen in Konstantinopel sogar bis heute noch teilweise gestört. Die Kluft zwischen katholischer und orthodoxer Kirche wurde während des vierten Kreuzzuges immer größer. Auch Russland wandte sich nach dem vierten Kreuzzug sowie der im 13. Jahrhundert erfolgten mongolischen Eroberung von Europa ab.

 

 

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